Menu

Prof. Dr. Kristen Rohlfs (1930-2017)

Nachruf von R.-J. Dettmar, R. Wielebinski und T. L. Wilson

Kristen Rohlfs (Foto: R.-J. Dettmar)

Kristen Rohlfs wurde am 13. Mai 1930 in Humptrop, einer kleinen nordfriesischen Ortschaft im deutsch-dänischen Grenzgebiet geboren. Dort ging er zeitweise in eine dänische Schule und sprach daher fließend Dänisch. Nach bestandenem Abitur im Nachkriegsdeutschland war er 1950 sehr glücklich, als er einen Studienplatz für Physik und Mathematik an der Universität Hamburg antreten konnte. Dort hörte er Vorlesungen von Otto Heckmann, dem späteren Gründungsdirektor der Europäischen Südsternwarte (ESO) und Präsidenten der IAU. Prof. Heckmann weckte sein Interesse für die Astronomie und wurde 1956 sein Betreuer für die Staatsexamensarbeit mit einem kosmologischen Thema. Zu dieser Zeit war Heckmann bereits in die Standortsuche für ESO involviert und so nahm Kristen Rohlfs 1956/57 an einer Expedition nach Südafrika teil.

Zurück in Hamburg wurde Heckmann auch sein Doktorvater und 1961 promovierte er mit einer Dissertation zur Dynamik und zum Entwicklungszustand der Sterne im offenen Haufen NGC 7789.

Danach wechselte er an die Universität Bonn, wo man seit 1955 das 25m Radioteleskop auf dem Stockert betrieb. Rohlfs erweiterte sein wissenschaftliches Arbeitsgebiet um die Physik des interstellaren Mediums, wobei der Schwerpunkt auf Untersuchungen des neutralen Wasserstoffs in der 21cm Linie lag. Nach seiner Habilitation im Jahr 1965 wurde er Priv.-Doz. an der Universität Bonn.

Während eines Forschungsaufenthaltes am CSIRO in Australien 1966/67 nutzte er das Parkes-Teleskop um HI-Absorptionslinienspektren gegen helle Hintergrundquellen zu messen. Zurück in Bonn wurde er in die Planung für das 100m-Radioteleskop in Effelsberg eingebunden, für das unter Otto Hachenberg das Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) gegründet wurde. 1968 wechselte Rohlfs an dieses neu gegründete Institut und war auf der technischen Seite an der Planung für die Computer-Steuerung des Teleskops beteiligt.

Wissenschaftlich interessierte ihn in dieser Zeit insbesondere die Dichtewellen-Beschreibung für Spiralarme mit ihren Anwendungen auf die Struktur der Milchstraße. Daraus erwuchs auch eine Vorlesung zu diesem Thema und nachdem er die Vorlesungsreihe 1973 als Gastprofessor an der Universität Kopenhagen - auf dänisch - gehalten hatte, wurde das Material bei Springer in der Lecture Notes Serie gedruckt.

1974 wurde er zum Universitäts-Professor für Astrophysik an die Ruhr-Universität Bochum berufen. Dort wurde er recht bald Dekan der Fakultät für Physik und Astronomie (1977-78). In Bochum war ihm die Lehre sehr wichtig und das sorgfältig vorbereitete Material für eine Vorlesungsreihe zur Radioastronomie wurde schließlich zu dem bekannten Lehrbuch „Tools of Radioastronomy“. Die erste Auflage von 1986 war sehr erfolgreich und eine zweite Auflage mit T. L. Wilson als Ko-Autor wurde 1996 veröffentlicht. Seit der 5ten Auflage ist S. Hüttemeister weitere Ko-Autorin und seit 2013 gibt es die 6ste Auflage dieses sehr verbreiteten Lehrbuchs, das einen Standard definiert.

Auch wenn Kristen Rohlfs seit 1995 pensioniert war, so arbeitete er doch kontinuierlich weiter, nicht nur an den neueren Ausgaben der „Tools“, sondern auch an verschiedenen Auflagen seines populären Buches “Die Ordnung des Universums”.

Kristen Rohlfs verstarb am 10. Dezember 2017 in Bochum.